[Datenschutz]

[Impressum]

[Nutzungsbedingungen]

Kontakt

Geh aus mein Herz und suche Freu(n)d(e)
Tagebuch eines Drachens - Teil III

11.04.18

Was für ein Albtraum! Bloß gut, dass die Menschen wieder da sind, sonst hätte ich womöglich noch weiter geträumt. Aber jetzt bin ich hellwach – und bleibe es auch. Mich hat die Motorsäge aufgeweckt. Ich kann beobachten, dass sie aus der umgebrochenen Hemlocktanne Bänke bauen. So wird doch noch etwas Bleibendes daraus, nicht nur Brennholz. Wie sich die zweite Tanne wohl dabei fühlt? Mein Winterschlaf wurde schon ein paarmal unterbrochen. Es waren immer wieder Menschen hier, auch in der Kirche. Erst kamen wieder Radioleute – was die alles wissen wollten. Neulich haben sie die Wände untersucht, ging wohl um die Farbe. Wie es aussah, waren sie aber alle zufrieden. Bald soll es wieder richtig losgehen, ich bin gespannt.


21.04.18

Heute war die Putzkolonne da. Hat sich wieder eine Menge Staub angesammelt über Winter. Ich habe erfahren, dass sie 2 Tage feiern wollen. Ob sie sich das auch gut überlegt haben? Sind ja auch nicht mehr die Allerjüngsten.


28.4.18

Ich bin noch ganz verzaubert! Es gab wieder einen Gottesdienst und zwar mit richtiger Musik, war echt spannend. Zuerst war alles wie immer: Besucher, meine Menschen haben erzählt…

Dann kam jemand mit großen Taschen herein. Zuerst hat er ein paarmal in die Hände geklatscht, seltsam. Als er ausgepackt hatte, kamen wieder sonderbare Dinge zum Vorschein. Ein komisches Musikinstrument war dabei – eine Tastatur ohne Schrank, was das wohl wieder war? Dann kam eine Überraschung nach der nächsten. Ich kenne mich ja hauptsächlich mit Kirchenmusik aus, obwohl ich im letzten Jahr auch schon dem Chor zugehört habe. Das war schon ganz andere Musik,  aber heute….Dieses kleine Instrument hat Musik gemacht, wie eine ganz große Orgel. Plötzlich fragte der Organist: das steht doch hier alles sicher, oder? Was für eine Frage, natürlich steht meine Kirche sicher! Dann kam ein Orgelspiel, das sämtliche Balken erzittern ließ, einfach grandios! Die ganze Kirche war mit Musik ausgefüllt, bis in die letzte Ecke. Alle waren beeindruckt, so einen schönen Klang vermutet niemand in einer Holzkirche. In der Andacht wurde das alte Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ gesungen und gesprochen. Es war wieder so schön und vor allem wieder so fröhlich! Mal sehen, was sie sich für morgen ausgedacht haben.


29.4.18

So viele Menschen! Sie passen heute gar nicht in meine Kirche, viele mussten sogar stehen. Es gab wieder Musik. Ich habe gelernt, dass es ein Gospelchor ist. Die singen auch von Gott – aber ganz anders und auch in einer anderen Sprache. Diese Art Musik kommt wohl aus einem anderen Land. Ich glaube, die beiden Tage waren für meine Menschen ganz schön anstrengend, man sieht es ihnen an. Trotzdem haben sie sich gefreut, dass wieder so viele Gäste da waren und wieder viel Geld gespendet wurde. Vielen Dank. Ich habe gehört, dass jetzt wieder öfter offen ist, bald geht es weiter. Jetzt muss ich mich aber ausruhen.


14.05.18

Heute war wieder dieser Wandertag und letzte Woche war Christi Himmelfahrt – den Feiertag kenne ich noch von früher. Es wurde wieder viel erzählt. Dabei konnte ich hören, dass sie alte Papiere gefunden haben, noch von Meister Witte. Wer die wohl aufbewahrt hat? Es ist mir ein wenig peinlich, dass so viel Blütenstaub auf den Bänken liegt, ob sie noch mal putzen kommen?


20.05.18

Auf meine Menschen ist Verlass. Gestern wurde wieder alles auf Hochglanz gebracht. Schließlich gab es heute ja etwas zu feiern – Geburtstag! Danke, dass ihr wieder daran gedacht habt. Es waren sogar Fernsehleute da und ganz viele Geburtstagsgäste. Heute konnte ich auch die alten Papiere ansehen. Außerdem habe ich viel Neues erfahren. Bald soll es ein großes Fest geben. Wir werden wohl bald anbauen müssen, wenn der Ansturm weiter so anhält – war natürlich nur Spaß. Dann kam eine Frau, die vor 46 Jahren hier getauft wurde, sie war sehr beeindruckt von der Kirche. Viele erzählen auch von ihrer Zeit hier im Albrechtshaus, ob als Patienten oder Angestellte. Für mich ist das immer wieder bewegend, schließlich war ich ja dabei. Als letzter kam noch ein Mann mit vier Kindern in meine Kirche. Gerade mit Kindern habe ich schon ganz viel erlebt. Manchmal sind sie etwas gelangweilt, besonders wenn es dann doch länger dauert, neulich hat so ein kleiner Knirps ganz laut „Boah, eij“ gerufen, als er sich umgeschaut hat. Da musste ich mir ein Lachen verkneifen.

Bei den vier Kindern war es ähnlich. Einer meiner Menschen hat die Kirche gezeigt und den Kleinen erzählt, dass es mich gibt und dass sie doch mal suchen sollen, ob sie mich finden. Sie waren auch ganz eifrig dabei und ich glaube, sie haben mich tatsächlich gesehen.

…Fortsetzung